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Ausgewählte Ergebnisse der Waldentwicklungs- und Holzaufkommensmodellierung 2013 bis 2052

Vergangene Nutzung und kommendes Potenzial – das Niveau bleibt gleich, aber …

Die amtliche Holzeinschlagsstatistik weist im Mittel der Jahre 2003 bis 2012 eine Nutzung von 56,8 Mio. m³/a, die BWI 2012 weist für den gleichen Zeitraum eine Nutzung von 75,7 Mio. m³/a aus.

Offensichtlich unterschätzt die amtliche Holzeinschlagsstatistik den tatsächlichen Einschlag (3). Bei rund 2 Mio. privaten und körperschaftlichen Waldeigentümern mit einer durchschnittlichen Flächengröße von nur 2,4 ha Waldfläche (4) beruhen die Angaben der amtlichen Holzeinschlagsstatistik teilweise auf jährlichen Schätzungen.

Im Folgenden werden die Nutzung der Jahre 2003 bis 2012 aus den Ergebnissen der BWI 2012 mit dem für diese Periode geschätzten Rohholzpotenzial der WEHAM 2002 und dem Rohholzpotenzial für die Jahre 2013 bis 2027 der WEHAM 2012 verglichen, um die Marktauslastung abschätzen zu können. Für WEHAM 2012 werden drei Projektionsperioden oder 15 Jahre zusammengefasst beurteilt, um einerseits die naheliegende Zukunft besser beurteilen zu können, andererseits Einstiegsartefakte in das Modell durch die Mittelwertbildung abzufedern.

Mit einem potenziellen Rohholzaufkommen von durchschnittlich 77 Mio. m³/a für die Simulationsperiode 2003 bis 2012 lag die WEHAM 2002 in Summe in der Größenordnung des Einschlages der BWI 2012. Die Nutzungsanteile der Baumartengruppen unterscheiden sich jedoch deutlich von der tatsächlichen Nutzung nach BWI 2012. Die WEHAM 2012 schätzt mit einem Potenzial von 80,5 Mio. m³/a im Mittel der Simulationsperiode 2013-2027, dass das Rohholzpotenzial um 6 % über der Nutzung der BWI für die Jahre 2003 bis 2012 liegt. In der Summe ist also reichlich Holz für den heimischen Markt vorhanden. Für die einzelnen Baumarten und deren Verwendungen sind die Verhältnisse allerdings differenziert zu bewerten.
Die Holzartengruppe Fichte wurde stärker genutzt als in WEHAM 2002 modelliert (+ 39 %). WEHAM 2012 weist für die kommenden drei Perioden ein geringeres Potenzial aus als die WEHAM 2002. Das Potenzial dieser Perioden liegt um 20 % unter der Nutzung der Jahre 2002 bis 2012. Die Nutzung lt. BWI der Holzartengruppe Kiefer entspricht etwa dem von WEHAM 2002 geschätzten Potenzial. Das in der WEHAM 2012 für die nächsten drei Perioden geschätzte Potenzial liegt etwas höher (+ 8 %).

Die Holzartengruppe Buche wurde deutlich weniger genutzt als im WEHAM 2002-Potenzial geschätzt (- 35 %). Entsprechend liegt das Potenzial der ersten drei Perioden der WEHAM 2012 über dem Potenzial, das 2002 für den gleichen Zeitraum geschätzt wurde. Und es liegt erheblich über der BWI-Nutzung (+ 59 %). Ebenso wurde die Holzartengruppe Eiche unterhalb ihres Potenzials genutzt (- 41 %). Wie bei der Buche liegt die Schätzung für das Eichenpotenzial erheblich über der BWI-Nutzung (+ 97 %).

Im Staatswald - Land überstieg die Nutzung der BWI 2012-Periode das Potenzial dieser Zeit um 13 %. Dennoch hat der Vorrat um 6 % zugenommen. Das Potenzial der Perioden 2013 bis 2027 liegt geringfügig unter der BWI-Nutzung. Auch im Körperschaftswald überstieg die Nutzung das Potenzial, allerdings nur um 5 %. Der Vorrat hat in dieser Zeit um 5 % zugenommen. Das Potenzial der Perioden 2013 bis 2027 liegt um 5 % über der BWI-Nutzung. Der Privatwald hat das Potenzial in der BWI 2012-Periode um 7 % ungenutzt gelassen. Der Vorrat stieg um 8 %. Das Potenzial der Perioden 2013 bis 2027 liegt um 11 % über der BWI 2012-Nutzung. Der Staatswald-Bund hat in Höhe des Potenzials genutzt. Dabei stieg der Vorrat um 5 %. Das Potenzial der Perioden 2013 bis 2027 liegt deutlich über der BWI-Nutzung mit 20 %. Mit 2 % Anteil am Potenzial in Deutschland ist die Bedeutung vergleichsweise gering. Die Zahlen bestätigen die hohe Bedeutung des Privatwaldes für die Holzversorgung.

Bei einem Vergleich der BWI 2012-Nutzung mit dem mittleren Potenzial des Projektionszeitraums 2013 bis 2052 nach Holzartengruppe und BHD fällt das Defizit in der Holzartengruppe Fichte und Kiefer in den unteren Durchmesserklassen auf (s. Abbildung 12).

Hier unterschreitet das künftige Potenzial die vergangene Nutzung um bis zu 60 % je nach Baumart und Durchmesserstufe. Bei den stärkeren Durchmesserklassen dagegen liegt das Potenzial immer über der Nutzung der BWI 2012. Dies entspricht der starken Nachfrage der Holzverwender in der Vergangenheit nach Nadelholz schwacher und mittlerer Durchmesserstufen. Inwiefern die Holzverarbeitung technologisch an die stärkeren Sortimente anzupassen ist, welche Holzqualitätsänderungen mit diesem Potenzial verbunden sind und inwieweit dieses Potenzial marktgängig ist, bleibt abzuwarten.
 

(3) Dieter M, Englert H (2005): Gegenüberstellung und forstpolitische Diskussion unterschiedlicher Holzeinschlagsschätzungen für die Bundesrepublik Deutschland. Hamburg: BFH, 14 p, Arbeitsber Inst Ökon 2005/2; Seintsch B (2011): Stellung der Holzrohstoffe in der Kostenstruktur des Holz- und Papiergewerbes in Deutschland. Hamburg: vTI ; Zentrum Holzwirtschaft, Universität Hamburg, 106 p, Arbeitsber Inst Ökon Forst Holzwirtsch vTI 2011/03
(4) Bolte A, Polley H (2010): Der Wald in Zahlen. In: Depenheuer O, Möhring B (eds) Waldeigentum : Dimensionen und Perspektiven. Dordrecht; Heidelberg; London: Springer, pp 58-69, DOI:10.1007/978-3-642-00232-8_4 auf Basis von Angaben der AGDW.

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