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Ausgewählte Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur

Laubbaumanteil gestiegen

In Deutschlands Wäldern gibt es wieder mehr Laubbäume. Aktuell haben sie einen Anteil von 43 % des Holzbodens.

Damit ist der Anteil der Laubbäume gegenüber 2002 um rund 7 % (ca. 315.000 Hektar) gestiegen und der Anteil der Nadelbäume um ca. 4 % (267.000 Hektar) gesunken. Die Differenz von rund 48.000 Hektar entspricht der Waldflächenzunahme.

Der heutige Wald ist ein Erbe der Vergangenheit. Von Natur aus würden Laubbäume das Erscheinungsbild der Wälder in Deutschland bestimmen. Dass die heutigen Wälder von Nadelbäumen, vor allem Fichten und Kiefern, geprägt werden, ist ein Ergebnis unserer Geschichte.

Vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert wurden viele Wälder übernutzt oder kahlgeschlagen (Waldfläche − historische Entwicklung) So waren in den vergangenen Jahrhunderten häufig Ödland oder große Kahlflächen aufzuforsten. Auf solchen Flächen herrschen waldfeindliche Bedingungen: Ohne den Schutz alter Bäume sind die kleinen Bäume dem Einfluss von Sonne, Wind und Frost ungeschützt ausgesetzt und müssen sich gleichzeitig gegen eine rasch wachsende Konkurrenzvegetation wie Gräsern, Adlerfarn oder Brombeeren durchsetzen. Mäuse, Pilze, Insekten und der Verbiss durch Wildtiere setzen den kleinen Bäumen zusätzlich zu.

Nur wenige Baumarten, darunter Fichte und Kiefer, kommen mit diesen Bedingungen gut zurecht. Zur raschen Wiederbewaldung bot sich zu Fichte und Kiefer kaum eine Alternative. Nur von diesen Baumarten war das Vermehrungsgut in ausreichender Menge verfügbar.

Zudem wachsen Fichte und Kiefer rasch und ihr Holz ist wegen der ausgezeichneten Eigenschaften gesucht. Daher fanden Fichten und Kiefern eine weite Verbreitung in Deutschland. So ist der heutige Wald zu einem erheblichen Teil das Ergebnis der waldbaulichen Überlegungen und Möglichkeiten unserer Vorväter.

Laubbäume haben auf vielen Standorten Vorteile für den Waldboden, für die Grundwassernachlieferung, für die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten sowie für die Stabilität und Anpassungsfähigkeit der Waldbestände z.B. gegen Schaderreger, Sturm und Klimaänderung.

Der Umbau von Nadelbaumreinbeständen – wie sie in großem Umfang zuletzt nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind – hin zu standortgerechten Laub- und Laubmischbeständen ist daher ein Ziel der Forstpolitik des Bundes und der Länder. Er ist Bestandteil der Waldbaurichtlinien vieler Landesforsten und wird im Nichtstaatswald seit Jahrzehnten mit erheblichen Mitteln gefördert. Der Wald soll damit für die zu erwartenden Belastungen durch den Klimawandel besser aufgestellt werden.

Klimaschützer Wald – weiterhin Kohlenstoffsenke

Bund und Länder haben bereits beträchtliche Investitionen getätigt, um den hier dokumentierten Waldumbau herbeizuführen. Mittlerweile betreiben seit mehreren Jahrzehnten viele Waldeigentümer eine naturnahe Forstwirtschaft. Durch gezielte Pflege bauen sie stabile und ökologisch wertvolle Mischbestände mit einem hohen Anteil zum Standort passender heimischer Baumarten auf.

Die Ergebnisse der Bundeswaldinventur belegen den Erfolg dieser Maßnahmen: Im Zeitraum von 2002 bis 2012 nahm die Fichtenfläche um 242.000 Hektar (-8 %) ab und die Buchenfläche um 102.000 Hektar (6 %) zu. Bereits zwischen 1987 und 2002 hatte die Fichtenfläche in den alten Bundesländern um 219.000 Hektar (-8 %) ab- und die Buchenfläche um 151.000 Hektar (12 %) zugenommen. Diese Entwicklung wurde durch Sturmereignisse und Trockenjahre zusätzlich verstärkt.

Neben der Buche haben die Waldeigentümer auch den Flächenanteil der anderen Laubbaumarten ausgeweitet. Bei den Nadelbäumen haben nur die Douglasie um ca. 35.000 Hektar oder 19 % und die Tanne knapp 19.000 Hektar oder 11 % geringfügig zugelegt, die Kiefer hat dagegen um ca. 85.000 Hektar oder 3 % abgenommen. Besonders in den jüngeren Altersklassen fällt der Rückgang der Kiefer auf.

Wälder sind langlebige Ökosysteme und entwickeln sich über Jahrzehnte und Jahrhunderte. Dementsprechend lang sind die forstlichen Planungs- und Produktionszeiträume. Daher liegt es in der Natur des Waldes, dass Fichten und Kiefern – trotz der Entwicklung hin zu mehr Laubbäumen – vorerst die beiden dominierenden Baumarten bleiben.

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