|
Nach den Übernutzungen des Dritten Reiches, den kriegsbedingten Zerstörungen, den Reparationshieben und den Aufforstungen in der Nachkriegszeit war der Vorratsaufbau im deutschen Wald bisher ein wichtiges forstpolitisches Ziel. Dieses Ziel wurde erreicht. In der Beobachtungsperiode stieg der Holzvorrat um 417 Mio. Vorratsfestmeter oder 19 % an und hat im europäischen Vergleich Spitzenwerte erreicht. Die Vorratserhöhung im Privatwald mit 273 Mio. Vorratsfestmeter macht 65,5 % der gesamten Vorratserhöhung aus und liegt damit weit über dem Durchschnitt. Die höchsten absoluten Zunahmen finden sich bei Buche und Fichte. Dies spiegelt die Flächenanteile dieser Eigentumsart bzw. dieser Baumarten wieder.
Bezogen auf den Ausgangsvorrat bei der BWI 1 finden sich bemerkenswert hohe Vorrats-Zunahmen bei den Laubbäumen und bei der Douglasie. Bei den Laubbäumen wirken sich möglicherweise die tendenziell besseren Standorte aus, bei der Douglasie schlagen die enorm zuwachsstarken jüngeren Altersklassen zu Buche. Im Verhältnis dazu hat die Fichte eine unterdurchschnittliche Vorratszunahme. Die Stürme der 90er Jahre haben erhebliche Fichten-Vorräte geworfen. Zudem wurden große Anstrengungen zur Aufarbeitung von Pflegerückständen unternommen und damit ein im Vergleich zu den anderen Baumarten überdurchschnittlicher Anteil des Fichten-Zuwachses durch die Holzernte abgeschöpft. Im Staatswald (Land) und Körperschaftswald haben die Fichten-Vorräte sogar abgenommen. Der Zuwachs der Fichte wurde zu 87 % genutzt. Dieser Anteil liegt deutlich über dem anderer Baumarten (Kiefer 75 %, Buche 58%, Eiche 48 %, Douglasie 34 %).
Die Holzvorräte sind auf den Hektar bezogen durchschnittlich um 55 m3 angestiegen. Der Hektar-Vorrat der Fichte im Staatswald (Land) und im Körperschaftswald nimmt zu, obwohl der Gesamtvorrat abnimmt. Dies liegt an den Flächenverlusten der Fichte durch Sturm und Umbau des Waldes zu mehr Laubbäumen. Die Vorrats-Zunahme im Privatwald ist überdurchschnittlich, dies wird durch die Privatwald-Betriebe unter 100 Hektar Größe verursacht. In den einzelnen Ländern ist die Vorrats-Zunahme sehr unterschiedlich. Niedersachsen, ein Land mit einem hohen Anteil junger wuchsstarker, aber noch nicht erntereifer Bäume, hatte die höchste Vorrats-Zunahme (um ca. 40 %). Baden-Württemberg hat vergleichsweise alte Wälder und hatte außerdem große Sturmschäden in der Beobachtungsperiode - die Vorräte stiegen nur um 3 %.
Der Nadelbaum-Vorrat ging in den schwächeren Dimensionen (unter 30 cm Brusthöhendurchmesser) zurück, bei den Laubbäumen stieg er in allen Durchmesser-Stufen. Die höchste Vorratszunahme aller Baumarten findet sich in den mittelstarken Dimensionen von 40 bis 50 cm Brusthöhendurchmesser, was mit der Altersstruktur des Waldes korrespondiert. |