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Der Wald in Deutschland hat eine wichtige Rohstofffunktion. Höhe und Struktur des Vorrats beeinflussen die Produktion der Forstbetriebe und sind ihrerseits wiederum bestimmt durch den Standort und die Altersstruktur der Wälder. Die Steuerung des Vorratsniveaus und seiner Zusammensetzung ist daher eine wichtige forstwirtschaftliche Aufgabe.
Die BWI2 hat für das gesamte Inventurgebiet zum Stichtag 1. Oktober 2002 einen Vorrat von rund 3,4 Mrd. m3 ermittelt. Das entspricht einem Durchschnittswert von rund 320 m3 pro Hektar. Damit hat Deutschland, verglichen mit allen europäischen Ländern, die höchsten Holzvorräte in der Summe und mit Österreich die höchsten pro Hektar.
Die Vorräte gliedern sich vor allem auf den Privatwald (46,7 %), den Staatswald (Land) (28,4 %) sowie den Körperschaftswald (19,5 %) auf. Mit 36,4 % des Gesamtvorrats nimmt die Fichte über die Hälfte des Nadelholzvorrats ein und ist somit etwa gleich groß wie der Vorrat aller Laubbäume zusammen (36,1 %). Der zweithöchste Vorrat findet sich in Kiefern mit 20,8 %, die damit rund ein Drittel des Nadelholzvorrats in Deutschland beherbergen. Die Buchen folgen mit 17,3 %. Die Tanne hat den höchsten Durchschnittsvorrat (480 m3/ha), gefolgt von der Fichte (404 m3/ha) und der Buche (352 m3/ha). Die höchsten Vorräte/ha aller Bestandesschichten stehen in Bayern (403 m3/ha), gefolgt von Baden- Württemberg (365 m3/ha), die niedrigsten stehen in Brandenburg (239 m3/ha) und Sachsen-Anhalt (237 m3/ha). Weit überdurchschnittliche Hektarvorräte über alle Bestandesschichten des Kleinprivatwaldes (=100 ha) heben die Vorräte im Privatwald auf durchschnittlich 338 m3/ha. Die niedrigsten Hektarvorräte sind im Staatswald (Bund)(227 m3/ha) zu finden. Die Altersentwicklung der Hektarvorräte der Baumarten zeigt deren unterschiedliches Wuchspotenzial und die hohe Volumenleistung der Tanne, Fichte und Douglasie in den verschiedenen Altersklassen. Sie verdeutlicht z.B., dass die Volumenleistung der Fichte im Vergleich zur Eiche zwischen 21 und 120 Jahren fast 180 % und im Vergleich zur Buche ca.145 % beträgt.
Die Höhe der Vorräte in Deutschland hat ein bisher unbekanntes Ausmaß erreicht. Dies birgt gleichermaßen Chancen und Risiken, die sich allerdings schwer abschätzen lassen, da darüber kaum Erfahrungen vorliegen. Einerseits strebt die heutige Waldpolitik strukturreiche Mischbestände mit einem hohen Anteil starker bzw. alter Bäume an. Die Zahlen zeigen, dass die Forstwirtschaft diesen Weg eingeschlagen hat. Diese Bestände haben den Vorteil, dass sie in der Regel ökologisch vielfältiger und stabiler sind als gleichaltrige Reinbestände. Sie haben wirtschaftlich den Vorteil, dass in ihnen kosteneffizient starkes Wertholz erzeugt werden kann. Unter dem Aspekt des Klimaschutzes haben sie den Vorteil, dass in ihnen große Kohlenstoffmengen gespeichert sind. Allerdings lassen sich die Holzvorräte nicht beliebig vergrößern. Der Wald ist ein lebendes Ökosystem, das naturgegebenen Kreisläufen unterliegt. Aufbau- und Abbauprozesse stehen in einem steten Wechsel. Bisher ist unklar, ob und wie weit der erreichte Holzvorrat noch weiter ansteigen kann und welche ökologischen Risiken durch z.B. Sturm, Borkenkäferbefall und Freiwerden von Kohlendioxid, aber auch welche ökonomischen Risiken damit verbunden sind. |