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Zur Erfassung der Waldstrukturen wurde bei der BWI2 im Gegensatz zur BWI1 bewusst ein ökologisch orientierter Ansatz gewählt. Es werden die Strukturen, wie sie sich am Ort der Stichprobe darstellen, dokumentiert. Bewirtschaftungsgrenzen im Wald, so genannte Bestandesgrenzen, bleiben unberücksichtigt. Die BWI2 hat keine Angaben zu Beständen als forstliche Bewirtschaftungseinheit erhoben. Diese andere Zielsetzung erfordert eine andere Methodik und verbietet daher Vergleiche zwischen Waldaufbau bzw. Waldstruktur und den vorangehenden Themen Flächen und Alter (Kapitel 2.1).
Flächenangaben werden – im Gegensatz zu den vorhergehenden Tabellen und Kapiteln – für die Tabellen "Waldaufbau" aus dem Bestockungstyp hergeleitet. Bei der Bestockung werden umstehende Bäume unabhängig davon berücksichtigt, zu welchem Bestand sie gehören. Die Bezeichnung der Bestockung richtet sich nach der anteilsmäßig stärksten Baumart. Ein Beispiel: Eine Mischbestockung aus 30 % Fichte, 30 % Tanne und 40 % Buche wird bei einer Unterscheidung nach Laub-/Nadelwald als Nadelwald eingestuft und bei einer Unterscheidung nach Bestockungstypen als Buchenbestockung.
Bezugsfläche ist i.d.R. der bestockte Holzboden ausschließlich Lücken in der Hauptbestockung. Lücken ergäben in vielen Tabellen keine Angabe, deswegen sind sie grundsätzlich ausgeschlossen. Beimischungen in Bestockungen werden ab 10 % ausgewiesen.
Mit Beginn der großen Aufforstungen devastierter Flächen im 19. Jahrhundert gab es bis weit in das 20. Jahrhundert einen Trend zum Anbau von Nadelbäumen: Sie waren robuster und für die aufzuforstenden Standorte besser geeignet. Anderes Saatgut war in entsprechenden Mengen zudem nicht verfügbar. Weiterhin beeinflussten die guten Wuchsleistungen der Nadelbäume, der Holzbedarf für die Bau- und Bergbauindustrie und die breite Verwertbarkeit der Nadelhölzer die bevorzugte Anpflanzung von Nadelbäumen. Inzwischen hat eine Gegensteuerung zugunsten der Laubbäume eingesetzt, um die Bestände zu stabilisieren und den Nährstoffkreislauf zu schließen. Waldbau- und Förderrichtlinien verstärken und unterstützten die Erhöhung des Laubbaum-Anteils, auch wenn die Nadelbaumarten in den Waldökosystemen des Inventurgebiets und in der heimischen Forst- und Holzwirtschaft ihren festen Platz behalten werden. Aus dieser geschichtlichen Entwicklung heraus erklärt es sich, dass der deutsche Wald heute zu rund 62 % aus Nadelwald und zu rund 38 % aus Laubwald besteht.
Im deutschen Wald überwiegen mit fast drei Viertel Mischbestockungen vor Reinbestockungen. Bezogen auf die Fläche des Bestockungstyps hat der Kiefern-Typ mit 44,5 % den höchsten Anteil ungemischter Bestockung, gefolgt von dem Fichten-Typ mit 32,7 % und dem Douglasien-Typ mit 19,6 %. Bezogen auf die Waldfläche stehen Fichten- und Kieferbestockungen ohne Beimischung auf je ca.10 % der Holzbodenfläche.
15,3 % der Buchenbestockungen sind ungemischt. 21,8 % der Buchenbestockungen weisen Nadelbaumbeimischungen auf. Reine Eichenbestockung findet sich nur auf 9,5 %; 49,8 % der Eichenbestockungen weisen Laub-, 33,6 % Laub- und Nadelbeimischungen auf. Am häufigsten finden sich Mischbestockungen bei den Bestockungstypen "Sonstige Laubbäume mit hoher Lebensdauer" (Mischbestockungsanteil über 90 %), Esche (Mischbestockungsanteil 95,3 %) und Tanne (Mischbestockungsanteil 95 %). Sie haben allerdings nur einen geringen Anteil an der Waldfläche.
Auf bestimmten Baumart-Standort-Kombinationen stellen sich von Natur aus Reinbestockungen ein, auf anderen Mischbestockungen unterschiedlicher Ausprägung. Welche Strukturen die Baumarten bilden, insbesondere ob sie Rein- oder Mischbestockungen formen, ist zunächst ein Wechselspiel zwischen den Wuchseigenschaften der betreffenden Baumart und den jeweiligen Standortbedingungen, d.h., der natürlichen Dynamik. Waldbauliche Maßnahmen modifizieren aber diese Verhältnisse im Laufe der Waldentwicklung. Der Anteil der Mischbestockungen steigt ab einem Bestockungsalter von ca. 40 Jahren. |