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Die Holzaufkommensmodellierung (HAM) quantifiziert auf Grundlage von Annahmen über die derzeit gebräuchliche Waldbewirtschaftung ausgehend von der derzeit üblichen Waldbewirtschaftung das potenzielle Rohholzaufkommen. Die Treffsicherheit der Potenzialabschätzung hängt von der Qualität dieser Annahmen sowie der Qualität der verwendeten Modelle und deren Steuerparameter ab.
Mit Hilfe von Modellen werden Systeme auf ihre wesentlichen Komponenten reduziert und ihre Wirkungsbeziehungen nachgebildet. Kernstück der Holzaufkommensmodellierung ist ein distanzunabhängiges Einzelbaummodell1. Das Modell schätzt das potenzielle Rohholzaufkommen auf Grundlage der Einzelbaumdaten und nicht auf Bestandessummen. Es ist distanzunabhängig, d. h. die Konkurrenz der Bäume bleibt unberücksichtigt, da die Datengrundlage ein anderes Verfahren nicht zulässt. Das Modell bildet durchschnittliche Konkurrenzverhältnisse ab. Dieses Modell passt optimal zur Datengrundlage und zur Auswertungssoftware der BWI und kommt ohne weitere Annahmen aus. Es ist damit leicht verständlich und robust.
Das Modell simuliert Wachstum und potenzielles Rohholzaufkommen für die nächsten 40 Jahre. Prognosen müssen zeitlich begrenzt werden, da die Unsicherheit der Prognose mit deren Laufzeit steigt, ohne dass sich die Unsicherheit quantifizieren lässt. Diese Unsicherheit entsteht, weil das Modell die Bedingungen, unter denen es parametrisiert wurde, aus methodischen Gründen als konstant unterstellen muss, obwohl sich Klima, Waldbewirtschaftung etc., und dadurch bedingt Zuwachs und Konkurrenzverhalten der Baumarten ändern. Da eine Inventur und eine darauf aufsetzende Modellierung periodisch zu wiederholen ist, ist dieser Nachteil vernachlässigbar.
1 Es wurde von der Forstlichen Versuchsanstalt Baden-Württemberg in Freiburg im Auftrag des BMVEL entwickelt.
Das Modell setzt sich aus folgenden Teilen zusammen:
- Zuwachsmodell,
- Nutzungsmodell und
- Sortierungsmodell.
Die Steuerparameter aller Teilmodelle wurden in Zusammenarbeit mit Experten der Landesforstverwaltungen erarbeitet.
Für das BHD-Zuwachsmodell werden die BHD der wiederholt gemessenen Stichprobenbäume getrennt nach Zuwachs-Baumartengruppen in ein Koordinatensystem mit der Beziehung BHD zu Alter eingetragen und eine Kurvenschar in die Messungen eingepasst. Für die Prognoseperiode wächst der Baum entlang der Kurve, in die er mit seinen Startwerten eingepasst wurde. Dieses Modell bildet Unterschiede in der Bonität, d. h. in der Leistungsfähigkeit eines Standortes gut ab. Daher kann auch der BHD-Zuwachs in den neuen Ländern mit dem Modell hergeleitet werden, auch wenn in diesem Gebiet keine Bäume für Wiederholungsmessungen zur Verfügung standen. Eine Modellierung des Höhen-Zuwachs nach dem gleichen Verfahren hätte unplausibel große Baumhöhen in hohem Alter zu Folge gehabt. Daher werden Höhe und Höhenzuwachs der Bäume als Funktion des Durchmessers berechnet (Höhentariffunktionen). Zudem wird durch den Höhentarif der Modellzuwachs insbesondere in hohem Alter und damit ebenfalls das vom Zuwachs bestimmte Rohholzpotenzial eingeschränkt.
Die bisher für Aufkommensschätzungen unterstellten Zuwächse der Ertragstafeln haben die tatsächlichen Zuwächse gemäß BWI und Holzaufkommensmodellierung unterschätzt. Mögliche Ursachen sind Stickstoffeinträge, erhöhte Kohlendioxid-Konzentrationen der Atmosphäre oder die Änderungen von Waldbauverfahren. Der Zuwachs der Periode 1987 bis 2002 wird für den Vorhersagezeitraum fortgeschrieben. Dies ist eine vereinfachende Annahme, da Spekulationen über eine Zunahme des Zuwachses durch eintragsbedingte Stickstoff-Düngung oder Klimaerwärmung genauso wenig abgesichert werden können wie Zuwachsminderung durch außerordentlich trockene Sommer. |